So funktioniert der Bitcoin wirklich


Vorab: Zuletzt hatte ich für diesen Marktkommentar einen großen Ausblick 2021 angekündigt. Aufgrund der massiven Rally des Bitcoin habe ich kurzfristig umdisponiert. Den Jahresausblick lesen Sie nun an dieser Stelle Anfang Februar. Nun zum Thema!

Das ist der helle Wahnsinn! Seit vergangenem Oktober hat sich die Kunstwährung Bitcoin mehr als verdoppelt. Seit dem März-Tief machte die junge Währung zeitweise sogar fast 500 % (Börse Bitfinex). Noch nie zuvor stand der Bitcoin derart im Fokus der Investoren und der Medien. Im Folgenden erkläre ich die Funktionsweise der digitalen Währung und verrate Ihnen, ob sich der Einstieg für Sie nach dem Kursrausch noch lohnt.


Aber der Reihe nach! Was unterscheidet die Kryptowährung von herkömmlichen Währungen wie dem Euro oder etwa dem US-Dollar?


Der Bitcoin ist quasi ein Privatwährung, die nicht von einer einzelnen staatlichen Institution wie einer Zentralbank kontrolliert wird. Transaktionen erfolgen im Grundsatz ohne die Zwischenschaltung einer Bank oder eines anderen Finanzdienstleisters. Die Buchführung bzw. Aufzeichnung der Transaktionen findet digital, nämlich in der sog. Blockchain statt. Anders als bei konventionellen Währungen ist die Geldmenge des Bitcoin auf 21 Millionen Einheiten begrenzt. Stand heute wird der letzte Bitcoin 2140 erzeugt (Mining). Daneben wird das zu schürfende Geldvolumen alle 4 Jahre halbiert. Zu Deutsch: In den nächsten Jahren wird das Angebot planmäßig reduziert.


Diese gezielte Verknappung sorgt dafür, dass für die Währung fast schon in regelmäßigen Abständen absolute Seltenheitspreise aufgerufen werden. Zuletzt bezahlten Anleger in der Spitze über 27.000 Euro für eine Bitcoin-Einheit. Nie zuvor war die Kryptowährung am Markt derart begehrt.


Welche Faktoren wirken kurzfristig auf den Bitcoin-Kurs? Im Wesentlichen haben zuletzt psychologische Faktoren den Preis getrieben, wie wir es im Kern auch vom Gold kennen. Das Misstrauen vieler Investoren gegenüber der Geldpolitik der Zentralbanken ist ausgeprägt. Nachdem die Geldschleusen praktisch weltweit erneut geöffnet worden sind, rechnen nicht wenige Anleger in absehbarer Zeit mit einer forcierten Entwertung der Papierwährungen. Anders formuliert: Der Bitcoin hat sich in den vergangenen Monaten zum Gold der Digitalisierung entwickelt. Vor allem jüngere und technikaffine Investoren setzen zur Risikostreuung immer öfter auf den Bitcoin und andere Kryptowährungen.


Noch ein kurzfristiger Triebfaktor: Bekanntlich ziehen erhöhte Preisniveaus – ganz gleich in welchem Markt – neue prozyklisch orientierte Käufer an. Anders formuliert: Viele Investoren fürchten, dass dieser Zug ohne sie den Bahnhof verlässt. Gerade in den letzten Wochen ist eine veritable Kaufpanik im Bitcoin ausgebrochen.


Gehen jetzt die Profis in den Markt?


Tatsächlich ist die realwirtschaftliche Bedeutung des Bitcoin noch recht überschaubar. Als Zahlungsmittel führt die digitale Währung selbst im Internet noch ein Schattendasein. Das wird sich möglicherweise bald ändern. So hat der Zahlungsdienstleister PayPal angekündigt, nächstens zumindest in den USA den Bitcoin als Zahlungsmittel anzubieten.


Auch die Begeisterung der Profi-Investoren hat sich bisher in engen Grenzen gehalten. Im Dezember kaufte etwa der US-Versicherer Massachusetts Mutual Life Bitcoin-Einheiten für rund 100 Millionen US-Dollar. Das entspricht 0,04 % des investierten Kapitals des Lebensversicherers. Der US-Zahlungsdienstleister Square Inc. holte sich jüngst Bitcoins im Wert von 50 Millionen US-Dollar. Diese Käufe haben den Bitcoin-Kurs zwar massiv getrieben. Gleichwohl sind das für die tiefen Taschen nicht mehr als die berühmten Peanuts.


Bitcoin-Skeptiker führen die geringe realwirtschaftliche Bedeutung der Kryptowährung gerne als Beleg ins Feld, dass diese Währung ein substanzloses Kunstprodukt ist und sich am Ende letztlich als großer Rohrkrepierer erweisen wird.


Sie können diese Information allerdings auch ganz anders lesen. Nämlich so: Die Etablierung der digitalen Währung am Markt steht noch bevor. Am Ende werden die tiefen Taschen wie Versicherer, Fonds oder Vermögensverwalter einen weiteren gewaltigen Nachfrageschub auslösen.


Meine Prognose: Kurzfristig werden die meisten Profis allerdings noch an der Seitenlinie verharren. Denn der Markt ist derzeit für die tiefen Taschen noch zu eng. So beträgt die globale Marktkapitalisierung des Bitcoin derzeit nur knapp 500 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Allein die Apple-Aktie bringt mehr als das Vierfache auf die Börsenwaage.


Derzeit sind Kryptowährungen in großer Breite stark überkauft. Hier hat sich seit dem vergangenen Oktober eine veritable Spekulationsblase ausgebildet, die in absehbarer Zeit platzen wird. Anschließend werden wir dann in den Markt eintreten. Dabei werden wir das gesamte Universum der neuen Währungen – also etwa auch Litecoin, Bitcoin Cash oder Ethereum – berücksichtigen. Ich erwarte, dass sich die Kryptowährungen im Markt durchsetzen werden. Mehr noch: Bereits in wenigen Jahren werden sie Bestandteil jedes gut sortierten Depots sein.