Joe Biden versus Donald Trump: Wer ist besser für die Börse?

Lieber Leser,

das Land ist zerrissen wie seit 100 Jahren nicht mehr. Schwarz gegen Weiß, Jung gegen Alt, die konservative Peripherie des Mittleren Westens gegen die liberalen Milieus in den Metropolen der Ost- und Westküste. Schon jetzt steht fest, selten zuvor haben die anstehenden US-Wahlen die Menschen in den USA derart aufgewühlt und mobilisiert. Dabei erinnere ich daran, dass die Amerikaner nicht nur den Präsidenten wählen, sondern auch ein Drittel des Senats neu besetzen werden. Die USA stehen also in der Eigenwahrnehmung vor einer historischen Richtungswahl. Folglich rechnen Wahlforscher mit einer Rekordwahlbeteiligung.

Als Europäer und auch als Börsianer dürfen wir die Vorgänge in den USA mit weniger Emotion betrachten. Sowohl der Demokrat Joe Biden als auch Amtsinhaber Donald Trump haben für uns als Börsianer gleichermaßen Vor- wie Nachteile. Donald Trump steht für niedrige Steuern, eine expansive Geldpolitik und vor allem Kontinuität. Sollte der Republikaner wiedergewählt werden, dürfte dies dem Aktienmarkt zumindest kurzfristig helfen.

Joe Biden steht zwar sicherlich für höhere Steuern, aber auch für ausgedehnte Konjunkturprogramme. Ferner erwarte ich, dass er in den handelspolitischen Fragen gegenüber China und letztlich auch der EU zumindest in der Wortwahl konzilianter auftritt. Das muss nicht gleich für einen großen Sprung der Aktienindizes sorgen. Ein neuer Tonfall auf internationalem Parkett wird allerdings zumindest psychologisch wirken und kann europäische Indizes wie den DAX oder den Schweizer SMI durchaus stützen. Sowohl der DAX wie auch der SMI sind typische „Export-Indizes“. Hier mag man internationale Harmonie und florierenden Welthandel.

Donald Trump droht mit der Anrufung des Supreme Court

Als Börsianer können wir also mit beiden US-Kandidaten letztlich gut leben. Einen Wahlausgang wollen wir freilich nicht sehen, nämlich einen unklaren oder umstrittenen. Zur Erinnerung: Donald Trump hat für den Fall eines knappen Wahlausgangs bereits angekündigt, dass er das Weiße Haus nicht einfach räumen wird, sondern stattdessen das Wahlergebnis vor dem US-Verfassungsgericht (Supreme Court) überprüfen lassen wird.

Zur Info: In den USA werden die Präsidentschaftswahlen auf der Ebene der Bundesstaaten organisiert. Dabei gestatten einige US-Bundesstaaten wie etwa Oregon nur noch die Wahl per Brief. Andere hingegen halten eine solche Abstimmung für undemokratisch, da nicht sichergestellt werden kann, wer hier tatsächlich wählt.

Für uns ist das Recht auf Briefwahl schon lange kalter Kaffee. Aber ich erinnere daran, dass sich in der alten Bundesrepublik das Verfassungsgericht zweimal – nämlich 1967 und 1981 – zu diesem Sachverhalt einlassen und hier für abschließende Klärung sorgen musste. In den USA steht eben diese rechtliche Klärung noch aus. Und die kann genau jetzt notwendig werden, wenn der aktuelle Amtsinhaber seine wahrscheinliche Niederlage nicht akzeptieren wird.

Das bedeutete, dass wir den Wahlsieger erst im Dezember kennen werden und dass bis dahin die US-Regierung quasi handlungsunfähig ist. Also erst einmal keine neuen Konjunkturprogramme, sondern Unsicherheit und politischer Stillstand in Washington. Ein solches Szenario mögen Börsianer überhaupt nicht.

Mein Fazit: Für uns ist der Ausgang der US-Wahl als Börsianer nicht „kriegsentscheidend“. Wichtig ist nur ein klares und offensichtlich nicht anfechtbares Ergebnis. In diesem Fall wird sogar Donald Trump das Weiße Haus planmäßig räumen. Hier gilt: Politische Klarheit erleichtert unsere Planungen als Börsianer und hilft dem Aktienmarkt.

Amazon liefert brillante Zahlen – Warum macht die Aktie keinen Meter?

Denken wir einmal optimistisch! In den nächsten Wochen gelingt es dem neuen starken Mann bei Nikola, dem ehemaligen GM-Manager Stephen Girsky, im angeschlagenen Unternehmen richtig aufzuräumen. Der Markt fasst also wieder Vertrauen in das Geschäftsmodell der Nikola, und auch die Partnerunternehmen bleiben den Amerikanern treu. Gleichzeitig bricht der eingangs besprochene Wasserstoff-Index machtvoll aus der Wimpel-Formation nach oben aus. Wie gehen Sie dann an den Markt?

Die eigene Depot-Lösung: Neigen Sie eher dazu, diesen Markt mit einer eigenen Lösung abzudecken, dann rate ich Ihnen in jedem Fall zu den drei „Powers“, als da wären ITM Power (WKN: A0B57L), Plug Power (WKN: A1JA81) und Ballard Power (WKN: A0RENB). Das sind im Kern die drei großen europäischen Player, mit denen Sie praktisch über die Hälfte des Marktes abdecken. Zu diesen drei Aktien holen Sie sich dann noch mit Hexagon Composites einen Wert aus der zweiten Reihe. Das norwegische Unternehmen schreibt bereits seit vielen Jahren schwarze Zahlen und schüttet normalerweise auch eine kleine Dividende an seine Aktionäre aus. Hexagon

Sie suchen die betreute Profi-Lösung?

Sicherlich sind Sie als aufmerksamer Börsianer bereits im Bilde. Amazon hat brillante Quartalszahlen vorgelegt. Dabei berichtete man ein Umsatzwachstum zum Vorjahr in Höhe von 37 %, während der Nettogewinn sogar verdreifacht werden konnte. Das US-Unternehmen profitierte erheblich von seiner Endkundensparte (Online-Shopping) wie auch von seinem Unternehmensgeschäft (Amazon Web Services). Gleichwohl machten die Anteilsscheine der Amazon keinen Meter.