Juni: Trump macht den Kuschelbär - Baidu-Position aufbauen

Liebe Leser,

Donald Trump ist, wie wir alle wissen, eine komplexe Persönlichkeit. Nie zuvor seit dem Ende des Kalten Krieges hat ein US-Präsident zumindest verbal derart gewütet. Selbst Nachbarn und langjährige Verbündete wie Kanada bedrohte er mit harten Wirtschaftssanktionen. Gegen China entfachte er sogar einen veritablen Handels- und Wirtschaftskrieg. Derzeit sind immer noch 50 % der chinesischen Exporte in die USA mit hohen Sonderzöllen belastet. Gleichzeitig setzte er das chinesische Vorzeigeunternehmen der Kommunistische Partei, Huawei, auf den Index. Jedes Unternehmen, dass mit Huawei weiterhin Geschäftsbeziehungen unterhalten möchte, wird danach vom US-Markt verbannt.

Im japanischen Osaka präsentierte sich der US-Präsident im Rahmen des G20-Gipfels nun von einer ganz anderen Seite. Er scherzte vor laufenden Kameras mit Wladimir Putin. Mit dem chinesischen Staatspräsident Xi Jinping muss er sogar regelrecht gekuschelt haben.

Endresultat: Huawei darf wieder Mikrochips aus den USA kaufen. Die zuvor angedrohte Ausweitung der Sonderzölle auf chinesische Exporte in die USA ist zunächst ebenfalls vom Tisch. Hernach machte Trump noch eine kleine Stippvisite über die koreanische Halbinsel, um die eingeschlafenen Verhandlungen mit Nordkorea wieder anzuschieben. Der Mann wird plötzlich harmoniebedürftig.

Nun, das Börsenparadies wird schon noch etwas auf sich warten lassen. Gleichwohl hat die unerwartete Harmonie von Osaka die Investoren erfreut. Kurzfristig ist das Gesamtbild schlüssig: Die Aktienmärkte ziehen wieder an. Der konjunktur-sensible Rohstoff Öl zieht ebenfalls mit und verteuerte sich in der vergangenen Woche deutlich über 2 %. Gleichzeitig war die Krisenwährung Gold wieder weich und sackte unter die Marke von 1.400 US-Dollar je Unze ab. Fazit: Die Investoren suchen wieder das Risiko.

Unter den Investoren wächst also die Hoffnung, dass der Handelskrieg zwischen Peking und Washington letztlich eine kurze Episode sein wird. Die Sorge, dass die Weltkonjunktur künftig schwächer wachsen wird, weil Washington und Peking handelspolitisch dauerhaft über Kreuz sind, hat spürbar abgenommen.

US-Notenbank wird Geldpolitik wieder lockern

Bereits zuvor hatte die US-Notenbank verkündet, dass man wahrscheinlich noch im Juli den US-Leitzins wieder einmal senken wird. Das war keine rein positive Nachricht. Schließlich reagierten die US-Währungshüter damit auf eine eingetrübte Wachstumsperspektivem und indirekt auch auf den schwelenden Handelskonflikt zwischen Washington und Peking.

Trotzdem kam und kommt diese Nachricht unter Investoren gut an. Die zuvor befürchtete grundsätzliche Straffung der US-Geldpolitik bleibt nun offenbar aus. Ein kurzer Blick in die Vergangenheit: Seit Anfang 2016 hat die US-Notenbank den Leitzins 9mal in Folge angehoben. In der Vergangenheit waren solche „Zinsrallys“ schon einmal für einen satten Kollaps des Aktienmarktes gut. Tatsächlich liegt die letzte Senkung des US-Leitzinses bereits rund 10 Jahre zurück.

Nun macht eine Leitzinssenkung ein Unternehmen nicht spontan besser. Allerdings verbaut sie den Weg für die Investoren in den Rentenmarkt. Dort sind die Zinsen in Europa mittlerweile wieder in den kurzen und mittleren Laufzeiten negativ. In den USA erhalten Sie auf 10 Jahre für bonitätsstarke Anleihen immerhin noch rund 2 %. Im Vergleich zu Europa ist das schön. Freilich bewegen 2 % Zinsrendite niemanden, seine Aktienquote abzusenken.

Fazit: Ich werde Ihnen jetzt nicht die große Sommer-Hausse versprechen. Schließlich hat uns das laufende Börsenjahr schon schöne Buchgewinne beschert. Die Luft nach oben ist also etwas dünn. Trotzdem: Der Börsenmonat Juni hat im Hintergrund eine nachhaltige Verbesserung des Umfelds für die Aktienanlage gebracht, und das nahezu weltweit.

Eine antizyklische Idee: Korrektur der Baidu-Aktie erscheint übertrieben

Abschließend möchte ich thematisch nochmals nach China zurückkehren. Der dortige Aktienmarkt litt vor allem im vergangenen Jahr massiv unter der neuen US-Handelspolitik. Zeitweise verloren die wichtigen Indizes der Börsen Shanghai und Shenzen fast ein Drittel ihres ursprünglichen Wertes. Sollte sich das Blatt im Handelskonflikt nun wenden, dürften China-Aktien zu den großen Profiteuren zählen.

Börsianer bezeichnen den Internetkonzern Baidu völlig zu Recht auch als die „chinesische Google“. Auch die Entstehungsgeschichte der beiden Internet-Pioniere ist sehr vergleichbar. So starteten die Chinesen genau wie Google mit einer Suchmaschine. Heute zählt die Baidu-Suchmaschine zu den fünf meist besuchten Internetseiten der Welt. Auf dem Heimatmarkt ist man mit einem Marktanteil von 63 % der unangefochtene Platzhirsch. Daneben betreibt man eine Video-Plattform namens Haokan. Dieser Dienst entspricht im Google-Portfolio der Youtube-Anwendung.

Ferner bietet man eine Art Online-Lexikon an, das im Kern hierzulande der nicht-kommerziellen Wikipedia-Anwendung ähnelt. Erfolgreich funktioniert auch der Kartendienst Baidu Maps. Mit Google Maps ist man hier zwar noch nicht auf Augenhöhe, da das Kartenmaterial regional begrenzt ist. Auch in puncto Funktionalität reicht man nicht an den Google-Dienst heran. Ich formuliere etwas arrogant: Für China reicht´s dennoch völlig aus.