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April: Aktienmärkte starten weiter durch

April 30, 2019

 

Lieber Börsianer,

 

der April war für uns als Börsianer herausragend. Praktisch alle bedeutenden Weltbörsen legten zu. Standardaktien wie auch Wachstumstitel aus dem Tech-Segment waren querbeet gefragt. Der DAX legte auf Monatssicht inklusive Dividenden um fast 7 % zu. Der marktbreite S&P 500 verbesserte sich um fast 4 %. Keine Frage: Wir profitieren derzeit von einer gesteigerten Begeisterung der Anleger für die Aktiengattung.

 

Gleichwohl muss ich etwas Wasser in den süßen Wein gießen. Im April haben wir nämlich eine ganze Reihe wenig erbaulicher Unternehmenszahlen gesehen. Auffällig war dabei vor allem die Schwäche klassischer Industrieunternehmen bzw. deren Zulieferer. In den USA etwa versagte der Mischkonzern 3M. Obwohl der gegenwärtige Konjunkturzyklus dem Geschäftsmodell des US-Unternehmens eigentlich entgegenkommt, sanken die Umsätze im ersten Quartal um 5 %. Vor diesem Hintergrund hat die Unternehmensführung auch gleich die Prognose für das Gesamtjahr gekappt. Die Folge: Die Aktie sackte binnen eines Handelstages um rund 12 % ab. Das ist der schärfste Rücksetzer auf Tagesbasis seit 1987.

 

3M agiert bekanntlich nahezu weltweit und beliefert fast alle Schlüsselbranchen der Weltwirtschaft. Daneben verfügt das Unternehmen über eine starke Endkunden-Sparte, die derjenigen der deutschen Henkel ähnelt. Mit anderen Worten: Wenn ein derartiges Leuchtturm-Unternehmen schwache Zahlen meldet, wirft dies kein gutes Licht auf die Weltkonjunktur.

 

Covestro meldet massiven Gewinneinbruch – Polycarbonate besonders schwach

 

Hierzulande enttäuschten unter anderem Aurubis und Covestro. Schauen wir uns die Situation beim letztgenannten Chemie-Unternehmen einmal im Detail an: Hier brach der Nettogewinn im ersten Quartal um satte 72 % auf 179 Millionen Euro ein. Ich muss diese Zahl in den zeitlichen Gesamtzusammenhang einordnen: Im Vorjahreszeitraum verdiente man wirklich sensationell. Schon im Vorfeld war klar, dass das Unternehmen diesen Erfolg nicht beliebig wiederholen kann.

 

Trotzdem, der massive Rückschlag weckt ähnlich wie bei 3M Zweifel an der Verfassung der Weltwirtschaft. Große Verkaufsschlager der Covestro sind die sogenannten Polycarbonate. Das sind relativ teure, also margenstarke Kunststoffe, die im Vergleich zu konventionellen Kunststoffen besonders robust und formstabil sind. Dieses Hochleistungs-Material hat sich in den vergangenen Jahren weltweit und branchenübergreifend durchgesetzt. Es wird beispielsweise benötigt für Brillengläser, Fenster von Flugzeugen, Abdeckungen von Autoscheinwerfern, Reisekoffer, Solarpaneele oder für medizinische Einmalprodukte.

 

Genau diese Polycarbonate haben sich, wie Sie wahrscheinlich erahnen, zuletzt nicht mehr besonders gut verkauft. Mit anderen Worten: Viele Unternehmenskunden aus den unterschiedlichsten Branchen hatten offenbar einfach keinen nennenswerten Bedarf mehr.

 

Daran soll sich im laufenden Jahr auch nicht viel ändern. So meinte der Vorstandsvorsitzende Dr. Markus Steilemann:„Das erste Quartal … bestätigt unsere gedämpften Erwartungen für das Gesamtjahr.“ Das klingt nicht unbedingt nach globaler Hochkonjunktur.

 

Jetzt die positive Sicht: Europäischer Arbeitsmarkt in guter Verfassung

 

Börse ist bekanntlich nie schwarz oder weiß. Und auch zurzeit ist der Befund noch nicht eindeutig: Wie dargelegt deuten verschiedene Unternehmenszahlen an, dass derzeit die Fließbänder in dieser Welt nur gedrosselt laufen. Der Arbeitsmarkt hingegen präsentiert sich unverändert in robuster Verfassung. So sank etwa die Arbeitslosigkeit in der Eurozone auf Jahressicht von 8,5 auf 7,7 % (März 2019). In Deutschland verharrt die Arbeitslosenrate weiterhin unter 5 %. Besonders in Süddeutschland herrscht bereits seit vielen Monaten eklatanter Arbeitskräftemangel. Und ich spreche hier nicht von den vielzitierten Fachkräften. So musste die Schnellrestaurantkette Burger King in einigen Filialen die Öffnungszeiten verkürzen, weil man keine Theken- und Küchenkräfte mehr findet.

 

Insgesamt wuchs das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone im ersten Quartal um 0,4 %. Im Rekordjahr 2017 wuchs die Wirtschaft pro Quartal doppelt so stark. Dennoch: 0,4 % ist ein Wert, mit dem die Börsianer arbeiten können.

 

Fazit: Die jüngsten Kurszuwächse des Aktienmarktes sind fundamental betrachtet kurzfristig übertrieben. Besonders der DAX ist zunächst überkauft. Die Investoren blicken gegenwärtig sehr weit in die Zukunft und haben Vorschusslorbeeren verteilt.

 

Tatsache ist allerdings auch, dass uns definitiv keine Rezession droht. Wahrscheinlich erleben wir gegenwärtig eine kleine Wachstumsdelle, die sich auch noch im laufenden Quartal fortsetzen wird. Trotzdem stimmt die Tendenz: Seit dem 4. Quartal 2019 nimmt die Konjunktur weltweit allmählich wieder Fahrt auf. Ich gehöre zu den Analysten, die zudem erwarten, dass China nächstens der Weltkonjunktur wieder frische Impulse verleiht.

 

Ihre Taktik für die nächsten Wochen: Gönnen Sie Ihrem Orderfinger eine kleine Pause! In einigen Wochen werden Sie bei den meisten Titeln bessere Einstiegskurse sehen. Im Mai sollte der DAX am besten nochmals auf die Marke von 12 .000 Punkten aufsetzen und neue Kraft für den nächsten Schub sammeln.

 

 

Das Gesamtbild ist mittelfristig für uns sehr gut. Die gefährliche Schulter-Kopf-Schulter-Formation aus 2017/18, die üblicherweise einer Korrektur vorangeht, hat sich in Wohlgefallen aufgelöst. Der DAX hat das Band zwischen 12.000 rund 13.000 Punkten (grüne Linien) zurückerobert. Das sollte dann unsere Basis für den nächsten Haussezyklus sein.

 

 

Das lesen Sie in der nächsten Ausgabe: Der Mensch strebt ins Weltall. Das wissen wir bereits seit die US-Amerikaner Neil Armstrong und Buzz Aldrin auf dem Mond gelandet sind. Neu ist freilich, dass sich nun auch Unternehmer wie Jeff Bezos (Blue Origin, Amazon) und Elon Musk (SpaceX, Tesla) mit dem Weltall beschäftigen. Damit wollen die beiden Pioniere der kommerziellen Raumfahrt sogar Geld verdienen. In vier Wochen erfahren Sie, ob diese jungen Raketen-Unternehmen im Weltall verglühen werden oder ob sich hier tatsächlich für uns ein neuer Markt auftun wird.

 

 

 

 

 

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