Januar: US-Notenbank schiebt Aktienmarkt an – Es wird Zeit für Neuanschaffungen

Es war eine Woche der Wahrheit für den Aktienmarkt. Zunächst erreichte die US-Berichtssaison ihren ersten Höhepunkt. Schwergewichte wie Facebook, Apple, Amazon oder etwa McDonald´s berichteten aus dem abgelaufenen Quartal. Gleichzeitig tagte der Offenmarktausschuss der US-Notenbank Fed. Und die Nachrichten waren wirklich gut, sodass sich vor allem der S&P 500 und der EuroStoxx 50 nochmals spürbar voranschoben. Damit steht erst einmal fest: Die Januar-Erholung ist kein Strohfeuer, sondern stellt sehr wahrscheinlich die Basis für ein starkes Börsenjahr 2019 dar.

Chartkommentar: Der DAX verbesserte sich in dieser Woche nur unwesentlich (+0,9 %). Gleichwohl hat er seinen kurzfristigen Abwärtstrend (blau) klar nach oben durchbrochen. Nun nimmt der deutsche Leitindex den seit September wirksamen Abwärtstrend (rot) ins Visier. Noch im Februar kann auch diese Marke genommen werden.

Was sind die wichtigen Botschaften dieser Woche? Die US-Notenbank hat durchblicken lassen, dass Sie im laufenden Jahr möglicherweise eine Pause auf ihrem 2016 eingeschlagenen Zinserhöhungspfad einlegen kann. Damit entfällt einer der zentralen Belastungsfaktoren, der den Aktienmarkt im vergangenen Jahr erheblich belastet hatte.

Daneben legten vor allem Facebook und McDonald´s bestes Zahlenwerk vor. Die Burgerkette erwirtschaftete einen Gewinn pro Aktie in Höhe von 1,97 US-Dollar und übertraf somit die Markterwartungen (1,89 US-Dollar je Aktie) deutlich. Facebook meldete sogar einen neuen Rekordgewinn und konnte weltweit erneut 50 Millionen neue Nutzer einwerben. Nunmehr nutzen weltweit 2,7 Milliarden Menschen mindestens eine der verschiedenen Facebook-Anwendungen. Offenbar hat der Datenskandal des vergangenen Jahres auf das operative Geschäft des US-Giganten nur geringen Einfluss gehabt.

Apple-Zahlen waren miserabel – Aktie legt dennoch stark zu

Wenig erbaulich fielen freilich die Quartalszahlen des Smartphone-Herstellers Apple aus. Erstmals seit 10 Jahren mussten die Amerikaner einen leichten Rückgang beim Gewinn vermelden. Der Umsatz schrumpfte weltweit um 4,5 %. Der Absatz der iPhone-Gerät (pro Einheit) sank sogar um 15 %. Die Unternehmensführung hatte die Investoren allerdings bereits Anfang des Jahres vorgewarnt. Mit anderen Worten: Die schwachen Quartalszahlen waren erwartet worden und ergo bereits umfassend im Kurs der Aktie eingepreist. So kam dann die Aktie nach Veröffentlichung der Quartalszahlen sogar rund 6 % voran.

Diese Tatsache spricht für die stark verbesserte Verfassung des Aktienmarktes. Die Investoren wissen nun, dass auch die jahrelang erfolgsverwöhnten Internet-Unternehmen der USA nicht ganz unverletzlich sind. Tatsächlich rechnen die meisten Investoren sogar damit, dass der Innovationszyklus in der Branche der digitalen Unterhaltungselektronik einen vorläufigen Höhepunkt erreicht hat. Produkte wie eben das iPhone sind in die Jahre gekommen.

Ich rechne auch nicht unbedingt damit, dass der US-Konzern so bald ein vergleichbares Anschlussprodukt vorstellen wird. Schließlich war das iPhone eine Jahrhunderterrungenschaft, die Unternehmen nun mal nicht in jedem Jahrzehnt aufs Neue schaffen.

Also, Apple ist nun kein echtes Wachstumsunternehmen mehr, gleichwohl für den konservativen Langfrist-Anleger auf dem momentanen Bewertungsniveau durchaus attraktiv. Das Kurs-Gewinnverhältnis (KGV) liegt bei rund 13. Damit ist die Aktie günstiger bewertet als der S&P 500, der auf ein KGV von rund 15 kommt. Obendrein kassieren Sie hier noch eine kleine Dividendenrendite von 2 %. Das Unternehmen dürfte aufgrund seiner enormen Cashbestände diese Dividende in den kommenden Jahren weiter anheben.

Sind westliche Marken in China jetzt nicht mehr angesagt?

Die Apple-Zahlen verweisen noch auf zwei andere Befunde, die mir in der Tat zumindest leichte Sorgen bereiten. So ist das China-Geschäft des Unternehmens fast schon kollabiert. Dort verlor im Vergleich zum Vorjahr Umsatz im Volumen von 27 %. Insgesamt lieferte man im Reich der Mitte rund 11 Millionen iPhone-Geräte aus und damit 22 % weniger als im Vorjahresquartal. Das ist viel Holz für ein etabliertes Weltunternehmen.

Damit bestätigen die Apple-Zahlen eine zentrale Sorge der Investoren: Die chinesische Volkswirtschaft lahmt. Die Verbraucher sind nicht mehr in Konsumlaune. Zwar meldete die Pekinger Statistikbehörde für 2018 immer noch ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 6,6 %. Auch die Arbeitslosigkeit im Reich der Mitte soll nur marginal von 4,8 auf 4,9 % gestiegen sein.

Nun sind regierungsoffizielle Statistiken in China von ganz eigener Qualität und nur eingeschränkt glaubwürdig. Aussagekräftiger sind für mich die Apple-Absatzzahlen im dortigen Markt. Und die sprechen eine klare Sprache. Die chinesische Konjunktur befindet sich in einer Phase der Stagnation.

Noch wichtiger: Das Apple-Desaster kann auf ein verändertes Kaufverhalten des chinesischen Verbrauchers hindeuten. Denn das US-Unternehmen verlor deutlich Marktanteile an seine chinesischen Konkurrenten Huawei und Xiaomi. Mit anderen Worten: Die Marke Apple hat offenbar an Prestige eingebüßt. Kein Jugendlicher muss sich in seiner Clique mehr schämen, wenn er nun mit einem Huawei-Gerät telefoniert.